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Nomadinnen der Lüfte läuteten am 23. Juni in Stralsund den bundesweiten Tag der Architektur ein, der dieses Jahr unter dem Motto „Moderne trifft Erbe“ stand. Die beiden Artistinnen Christina Wintz und Elizabeth Williams schwangen sich an roten Tüchern am Stahlgerüst des Ozeaneums von Behnisch Architekten empor, um sich dann stellvertretend für die bundesweit knapp 140.000 Besucher kopfüber ins Architekturvergnügen zu stürzen. „Wir möchten dazu anregen, Architektur mit Leben zu füllen.“, schwärmte Joachim Brenncke, Präsident der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern. Und ins Schwärmen geriet nicht nur er. 

Als „glücklicher Bauherr“ präsentierte sich der Direktor des Deutschen Meeresmuseums Dr. Harald Benke den rund 400 Gästen – nicht nur, weil er mit dem Ozeaneum direkt an der Ostsee eine weitere „schöne Hülle für schöne Ausstellungen“ bekommt, sondern auch, weil „die Architekten auf die Wünsche des Bauherren eingehen“. Umgekehrt beschwor Stefan Behnisch ebenfalls das Zusammenwirken von Architekten und Bauherren: „Der Dialog mit dem Auftraggeber ist eines der maßgeblichen Elemente bei der Entwicklung von Architektur.“ Mit Blick auf das Motto „Moderne trifft Erbe“ betonte Behnisch: „Wir müssen auch heute zeigen, zu welchen kulturellen Leistungen wir fähig sind.“ Wie aber entsteht kulturell hochwertige Architektur, die es wert ist, vererbt zu werden? Was braucht es außer dem Dialog von Architekten und Bauherren? Der Oberbürgermeister von Stralsund Harald Lastovka warb eindringlich für einen Gestaltungsbeirat wie den in seiner Stadt, der öffentlich tagt und auch ihn persönlich davon überzeugt habe, das Weltkulturerbe Stralsund mit der modernen Architektur des Ozeaneums zu verbinden. Zunächst seien ihm die einzelnen Baukörper der offenen Anlage, die an vom Meer umspülte Steine erinnern, wie „Pantoffeltierchen“ vorgekommen, „die da rumschwimmen“ und nicht zum kantigen, für die Hansestadt typischen Backstein passen. Heute betrachte er das Ozeaneum aber als Meilenstein. Von einer vordergründig ästhetischen Betrachtung wollte der Staatssekretär im Bundesbauministerium Dr. Engelbert Lütke Daldrup die gelungene Verbindung von Moderne und Erbe jedoch gelöst sehen: „Den Bürgern geht es ganz wesentlich um die Gesamtqualität der Stadt, um die Lebensqualität der öffentlichen Räume. Es geht ihnen viel weniger um die technischen und stilistischen Innovationen, als sich die Architekten das vielleicht wünschen.“ Lütke Daldrup forderte „eine erweiterte und verbreiterte Debatte um Stadt und um den Umgang mit der baulichen Seite der Stadt“ und verwies in diesem Zusammenhang auf die Bundesstiftung Baukultur und eine breit angelegte Kampagne zur Stadtentwicklung. Der Bauminister von Mecklenburg-Vorpommern Dr. Otto Ebnet unterstrich: „Die Menschen wollen zeitgemäß leben und trotzdem muss sich das Ganze einfügen.“ Ein klares Bekenntnis zur Moderne in der Architektur legte schließlich der Präsident der Bundesarchitektenkammer Prof. Arno Sighart Schmid ab: „Wir möchten selbstbewusste zeitgenössische Architektur, die Respekt vor dem Kulturerbe und insbesondere vor authentischen Kulturdenkmalen zeigt.“ Das Ozeaneum sei ein Beispiel für unzählige weitere Projekte beim bundesweiten Tag der Architektur, die zeigen, wie zeitgenössische Architektur mit dem Bestand in Dialog tritt, ob moderne Baukörper, die als Generator neuen Lebens für ihr Umfeld dienen, ob Ergänzungen von Altbauten durch Neubauten, ob Umbau, Modernisierung oder Sanierung. Schmid forderte mehr Architektur in der Schule: „Wir Architekten müssen das Erbe ernst nehmen, dürfen Moderne nicht als Provokation um der Provokation willen betreiben. Auf der anderen Seite brauchen wir Partner, die bereit sind, sich auf eine neue Architektursprache einzulassen. In Zeiten, wo das Tempo der Veränderung eine nie gekannte Dynamik entfaltet, sehnen sich viele Menschen nach Inseln des Vertrauten. Die Antwort auf Beschleunigungssymptome kann aber nicht abgestandene Architektur sein. Wir müssen uns unserer Zeit stellen und wir brauchen Bürger, die mitreden können, wenn es um die gebaute Umwelt geht.“
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