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Ökologisches Bauen als Augenschmaus Tag der Architektur erstmals in der Tagesschau Wochenende der Superlative Der Bundesauftakt zum Tag der Architektur am 26. Juni läutete ein Wochenende der Superlative ein. Nachdem die Architektenkammern der Länder bereits 2003 erstmals über 100.000 Gäste begrüßen konnten, schnellte die Besucherzahl dieses Jahr erneut nach oben: 108.841 Menschen nutzten ein Angebot, das mit 1690 architektonischen Werken in 660 Städten und Gemeinden so vielfältig war wie noch nie. Auch die Medienresonanz übertraf alle Erwartungen. Selbst die Tagesschau berichtete in ihrer Abendausgabe über den Tag der Architektur, ebenfalls eine Premiere. Als Erfolgsrezept für die Wahrnehmung des Tags der Architektur auf nationaler Ebene erwies sich einmal mehr der vor drei Jahren eingeführte Bundesauftakt. Der Bundesauftakt lenkt den Blick auf Themen, die für die aktuelle architektonische Debatte wichtig sind. Debüt war 2002 in Senftenberg (Lausitz), wo die Umgestaltung der Tagebaufolgelandschaften durch die Internationale Bauausstellung Fürst-Pückler-Land im Mittelpunkt stand. In Wolfsburg mit dem Science Center "Phaeno" von Zaha Hadid ging es ein Jahr später um die Frage "Form Follows Emotion?“ Als Modell für die Gestaltung von gebauter und natürlicher Umwelt in Geschichte und Gegenwart schloss sich diesen Juni Dessau zum Thema "Umwelt Bauen“ an. Fokus war das Umweltbundesamt von sauerbruch hutton architekten. Kulturelle Nachhaltigkeit Ökologische Architektur hat nach wie vor gegen große Vorurteile zu kämpfen. Lange Zeit galt sie als gut gemeint, aber künstlerisch anspruchslos und immer noch ist die Tendenz groß, sie auf messbare Daten zu reduzieren. 

Zwar sind umweltfreundliche Kennwerte wichtig. Und auch in dieser Hinsicht wird das Umweltbundesamt Maßstäbe setzen: Ein Erdwärmertauschersystem mit 4.800 Metern Länge soll einen Energiegewinn von 200 Megawattstunden Strom pro Jahr erzielen, Solarkollektoren zur Kälteerzeugung werden voraussichtlich 140 Megawattstunden Strom pro Jahr produzieren, insgesamt ist geplant, die derzeit gültige Energieeinsparverordnung um circa 30 Prozent zu unterschreiten. Aber ökologische Architektur verlangt weit mehr als die Erfüllung von Mengenzielen, sie lebt davon, dass die Menschen sich in ihrer baulichen Umgebung wohl fühlen. Matthias Sauerbruch formulierte es in Dessau so: „Insgesamt besteht der Anspruch, über die technische Optimierung seiner Bauteile die ökologische Qualität des Hauses auch in seiner räumlichen und materiell-atmosphärischen Dimension zu entwickeln.“ Ziel seines Büros sei „kulturelle Nachhaltigkeit“. Ein besonders sinnliches Beispiel für die Symbiose von Technik und Ästhetik ist die Holz-Elementefassade des Umweltbundesamtes, die in dieser Größenordnung und Nutzung für Deutschland prototypisch ist. Im von blau-grün Tönen dominierten Atrium geriet Ralf Niebergall, Präsident der Architektenkammer Sachsen-Anhalt, regelrecht ins Schwärmen. Er sprach den rund 500 Besuchern aus der Seele, als er den Bau einen „Augenschmaus“ nannte. Die neue Architektur setze „Zeichen der Innovation und des Aufbruchs“. BAK-Präsident Peter Conradi hatte zuvor die Perspektive auf die gebaute Umwelt insgesamt geweitet: „Wir leben inzwischen in einer bis auf wenige Ausnahmen – zum Beispiel das Hochgebirge, die Wüsten, den Urwald und die Antarktis – von Menschen gestalteten Umwelt. Nicht nur die Städte sind von Menschen gestaltet, auch die Landschaft. Selbst wenn wir am Wochenende ins Grüne fahren, begegnen wir nicht einer ursprünglichen Natur, sondern einer von Menschen gestalteten Umwelt. Natürliche Natur – das gibt es fast nicht mehr.“ Wie eng die Gestaltung der gebauten und natürlichen Umwelt miteinander verbunden ist, erfuhren die Besucher des Bundesauftakts im wahrsten Sinne des Wortes bei Fahrten mit der Dessau-Wörlitzer Eisenbahn oder Fahrradtouren ins Gartenreich Dessau-Wörlitz. Großer Andrang herrschte auch bei den Führungen zu den Meisterwerken des Bauhauses und zur neuen Architektur in Dessau. Leinen Los für Bundesstiftung Baukultur Zuvor hielt Manfred Stolpe, Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen noch eine Überraschung parat. Er nutzte den Bundesauftakt, um eine nationale Stiftung Baukultur anzukündigen: „Die Weichen für die Stiftung Baukultur sind gestellt. Der Bund wird die Grundfinanzierung für die Errichtung bereit stellen und hat dafür jetzt im Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt Vorkehrungen getroffen.“ Die Stiftung führe den mit der Bundesinitiative Architektur und Baukultur eingeleiteten Dialog fort. Sie solle das Bewusstsein für die Belange der Baukultur in einer breiten Öffentlichkeit fördern und die Marktchancen deutscher Architekten und Ingenieure im In- und Ausland stärken. Das Stiftungsprojekt sei nicht nur ein wichtiges Vorhaben der Bundesregierung, sondern auch vom Deutschen Bundestag einhellig begrüßt worden. Das Parlament werde voraussichtlich nach der Sommerpause über den Gesetzesentwurf beraten, damit das Gesetz in der ersten Jahreshälfte 2005 in Kraft treten könne. Bereits Mitte nächsten Jahres könne die Stiftung dann ihre Arbeit aufnehmen.
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