Bundesauftakt 2002
Dr. Claudia Schwalfenberg 07.05.2002

Tag der Architektur 2002: Premiere für Bundesauftakt

Zehntausende Besucher strömten im Juni und Juli deutschlandweit zum Tag der Architektur. Mit knapp 1400 Objekten in rund 550 Städten standen so viele Gebäude und Freianlagen offen wie noch nie. Auch der erste Auftakt auf Bundesebene fand großen Zuspruch. Bei strahlendem Sonnenschein folgten am 27. Juni über 200 Gäste der Einladung von Bundesarchitektenkammer und Brandenburgischer Architektenkammer auf den Campus der Fachhochschule Lausitz in Senftenberg. Die zentrale Eröffnungsveranstaltung rückte die Internationale Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land in den Fokus, deren Ziel die Umgestaltung der vom Braunkohletagebau geprägten Region ist.


Besucher der IBA Fürst-Pückler-Land

Besucher der IBA Fürst-Pückler-Land

Unter dem Motto "Landschaften im Wandel" hatte die BAK bereits letzten September beim 11. Deutschen Architektentag in Leipzig das Labor Ost unter die Lupe genommen. BAK-Präsident Peter Conradi verriet in Senftenberg den Grund für diese Akzentsetzung: "Die Folgen von Deindustrialisierung und Stadtumbau sind in den neuen Bundesländern besonders deutlich sichtbar, die Erfahrungen, die hier gemacht werden, sind aber für ganz Deutschland wichtig. Mit zeitlicher Verzögerung werden die alten Bundesländer vor ähnlichen Herausforderungen stehen." Klar ist schon jetzt: Patentrezepte gibt es nicht, gefragt sind individuelle Lösungen.

Aus diesem Grund setzt die in sechs Landschaftsinseln und eine Europainsel gegliederte IBA auf differenzierte Ansätze. Einige stellte Geschäftsführer Professor Rolf Kuhn in Senftenberg vor. Eins der bisher spektakulärsten Objekte ist die F60, eine stillgelegte Förderbrücke mit einer Abraumtiefe von 60 Metern. Das IBA-Team funktionierte die F60 in ein begehbares Bergwerk um, allein zur Eröffnung Anfang Mai kamen 4.000 Besucher. Aber auch die vorindustrielle Kultur kommt bei der IBA zum Zuge. So baute die IBA die als Bodendenkmal erhaltene Slawenburg Raddusch nach. Ganz gegenwärtig wiederum sind gestalterische Eingriffe in Plattenbausiedlungen, etwa in Sachsendorf-Madlow. Elfgeschosser mutierten hier zu Drei- und Viergeschossern. Von diesen und anderen Beispielen konnten sich die Besucher bei drei Fachexkursionen einen unmittelbaren Eindruck verschaffen, eine weitere Exkursion führte zu Monumenten der klassischen Moderne.

Professor Peter Kaup, Präsident der Bayerischen Architektenkammer, lenkte den Blick von der Region zum bundesweiten Tag der Architektur. Er stellte das Haus der Architektur in München vor, bei dem er in einer eher ungewohnten Rolle agierte, nicht als Architekt, sondern als Bauherr. Oberstes Gebot sei gewesen, "dem Architekten nicht dreinreden, aber Kosten und Termine im Auge behalten." Das Ergebnis ist in der Öffentlichkeit auf unterschiedlichste Reaktionen gestoßen. Charakteristisch für das Haus sind Offenheit nach außen und Bescheidenheit.

Ralf Nagel, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, wertete den Tag der Architektur als Beitrag zu einem "Jahr der Architektur". Mit Blick auf den Bericht der Bundesregierung zur Initiative Architektur und Baukultur und dessen Diskussion im Bundestag dankte er Peter Conradi "für Hartnäckigkeit und die vielen Impulse. Ohne den Präsidenten der BAK und seine Kollegen in den Ländern wäre das nicht möglich gewesen." Ralf Nagel betonte: "Gute Architektur ist auch Wertschöpfung, sie wird sich besser behaupten als Wegwerfware. Gerade bei knappen Ressourcen muss die Qualität im Vordergrund stehen." Sein Kollege Clemens Appell, Staatssekretär im brandenburgischen Ministerium für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr, formulierte als zentrale Aufgabe eine Eigentumsstrategie für die Innenstädte.

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